Der Digital Product Passport (DPP) wird für viele Unternehmen zur Pflicht – und gleichzeitig zur Bewährungsprobe für ihre Produktdaten. Denn wenngleich der DPP ein Bestandteil der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) ist, ist er weit mehr als ein Compliance-Projekt: Ohne belastbare Datenbasis lassen sich die Anforderungen dafür nur schwer erfüllen. Strukturierte, aktuelle, nachvollziehbare und skalierbare Produktinformationen sind daher ein Muss. Für Hersteller, Markeninhaber, Händler und Distributoren heißt es deshalb, frühzeitig die Weichen für den Digitalen Produktpass zu stellen und Datenquellen zu identifizieren, Prozesse anzupassen, Lieferanten einzubinden sowie Verantwortlichkeiten zu klären. Der Clou: Die Vorbereitung auf den Digital Product Passport zahlt nicht nur auf Compliance ein, sondern bietet Unternehmen die Chance, Produkttransparenz, Nachhaltigkeitskommunikation sowie Produkt- und Markenerlebnis zu verbessern.
Gleichzeitig schafft sie die Grundlage für effizientere Prozesse, eine höhere Datenqualität und neue digitale Services. Je nach Geschäftsmodell kann der DPP zudem neue Kontaktpunkte zu Endkunden eröffnen – etwa für Hersteller, die bislang kein D2C-Geschäft betreiben – und dadurch zusätzliche Erkenntnisse über Kundenbedürfnisse ermöglichen. Der DPP ist eine der wenigen Kanäle, über den Markeninhalte direkt an den Kunden ausgespielt werden. Wer jetzt in Datenqualität investiert, gestaltet also nicht nur die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens, sondern stärkt auch seine Marktposition.
Kernaussagen
- Der Digital Product Passport soll die Produkttransparenz in Europa stärken.
- Die größte Herausforderung liegt nicht in der technischen Umsetzung des Digitalen Produktpasses, sondern in der Erfassung, Qualität, Struktur und Verfügbarkeit der Produktdaten.
- Unternehmen brauchen Vorlauf, um Datenquellen, Prozesse, Systeme und Lieferanten einzubinden.
- PIM, MDM und PXM schaffen eine wichtige Grundlage dafür, DPP-relevante Daten skalierbar zu verwalten.
- Richtig umgesetzt, kann der DPP Compliance, Vertrauen, Markenreputation und Produkterlebnis stärken.
Kurz erklärt: Was ist der Digital Product Passport?
Der Digital Product Passport, kurz DPP, ist eine Hauptanforderung in der Ökodesignverordnung der Europäischen Union (ESPR). Es handelt sich dabei um einen digitalen Produktdatensatz, der relevante Informationen zu Herkunft, Materialien, Nachhaltigkeit, Reparatur, Recycling und Compliance eines Produkts bereitstellt.
Er soll die wesentlichen Eckdaten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg zugänglich machen und so Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Kreislaufwirtschaft fördern. Wichtig ist: Der Digitale Produktpass ist nicht einfach, eine Produktseite oder ein QR-Code – also ein Element, das den Zugang zu den Informationen ermöglicht. Der eigentliche Wert liegt in den strukturierten, maschinenlesbaren und verlässlichen Produktdaten dahinter.
Welche Informationen enthält ein Digital Product Passport?
Ein Digital Product Passport enthält je nach Produktgruppe unterschiedliche Informationen. Hierzu gehören etwa:
- eindeutige Produktidentifikatoren (wie beispielsweise GTIN, Seriennummer oder Produkt-ID)
- Herkunft und Fertigungsort
- Materialien und Inhaltsstoffe
- Umwelt- und Nachhaltigkeitsdaten
- CO₂- und Ressourcendaten
- Angaben zur Reparierbarkeit
- Informationen zu Wiederverwendung und Recycling
- Entsorgungshinweise
- Zertifikate und Compliance-Nachweise
- Sicherheits- und Qualitätsinformationen
- Dokumentation zu Lieferkette und Rückverfolgbarkeit
Für Unternehmen bedeutet das: Viele DPP-relevante Daten existieren bereits irgendwo im Unternehmen oder in der Lieferkette. Die Herausforderung besteht darin, diese Informationen strukturiert zusammenzuführen, zu validieren und aktuell zu halten.
Welche Rolle spielen 2D-Codes beim Digital Product Passport?
Im Zusammenhang mit dem Digital Product Passport (DPP) ist häufig von 2D-Codes die Rede. Dabei handelt es sich um moderne Kennzeichnungen, die deutlich mehr Informationen bereitstellen können als klassische Barcodes. Sie lassen sich sowohl mit Smartphones als auch mit Kassensystemen auslesen.
Ein Code – unterschiedliche Informationen
Der größte Vorteil: Je nach Nutzer und Anwendung kann ein und derselbe 2D-Code verschiedene Inhalte zugänglich machen. Endkunden erhalten beispielsweise Informationen zu Herkunft, Materialien, Reparatur, Nachhaltigkeit oder Recycling. Händler und Logistikunternehmen greifen dagegen auf Chargen- oder Seriennummern, Rückverfolgbarkeitsdaten oder Hinweise zu Rückrufen zu.
| Komponente | Zweck |
| 2D Code/QR Code | ermöglicht digitalen Zugriff |
| Produktwebseite | zeigt Informationen an |
| Digital Product Passport | liefert übersichtliche Informationen rund um den Produktlebenszyklus |
| PIM & MDM | ermöglicht das Verwalten und Steuern von Quelldaten |
2D-Codes als Grundlage für den DPP
Der Digitale Produktpass ist nur eine von vielen Anwendungen, die sich über einen 2D-Code realisieren lassen. Mit Tools wie dem Syndigo Link Manager lassen sich Digital Product Passport, Produktinformationen, Rich Media und weitere digitale Inhalte hinter einem einzigen 2D-Code bündeln und zielgruppengerecht ausspielen. Die Standardisierungsorganisation GS1 treibt diese Entwicklung mit ihrer Initiative Sunrise 2027 voran, die den Einsatz moderner 2D-Codes im Handel als neuen Standard etablieren soll.
Wen betrifft der Digital Product Passport?
Der Digital Product Passport betrifft alle Unternehmen bestimmter Branchen, die Produkte auf dem EU-Markt bereitstellen oder in entsprechende Wertschöpfungsketten eingebunden sind. Dazu gehören nicht nur Hersteller, sondern auch Markeninhaber, Händler, Marktplätze, Importeure, Distributoren, Lieferanten und Unternehmen – auch solche mit Sitz außerhalb der EU, sofern sie Produkte in Europa verkaufen.
Wer übernimmt welche Rolle beim Digitalen Produktpass?
Hersteller und Markeninhaber sind meist für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Produktinformationen verantwortlich.
Händler und Marktplätze müssen DPP-Informationen dort zugänglich machen, wo Produkte angeboten oder verkauft werden – stationär, online oder über digitale Produktseiten.
Lieferanten, Zulieferer, Produzenten und Logistikpartner stellen häufig Materialdaten, Herkunftsinformationen, Zertifikate und weitere Nachweise innerhalb der Lieferkette zur Verfügung.
Wie entwickelt sich der Digitale Produktpass in Europa?
Der regulatorische Rahmen für den DPP entsteht auf EU-Ebene. In der praktischen Umsetzung schreitet das Thema jedoch nicht überall gleich schnell voran. o werden etwa einzelne Produktgruppen unterschiedlich priorisiert. Für Batterien wird der Digitale Produktpass voraussichtlich ab 2027 verpflichtend, für weitere Produktgruppen wie Textilien oder Möbel sind entsprechende Vorgaben ab 2028 und in den darauffolgenden Jahren zu erwarten.
Entsprechend beschäftigen sich einige Wirtschaftsbereiche bereits intensiv mit der Umsetzung des DPP und treiben Pilotprojekte sowie konkrete Initiativen voran. Parallel dazu entstehen auch branchenübergreifende Datenökosysteme, die den Austausch von Produkt- und Nachhaltigkeitsdaten innerhalb der Wertschöpfungskette ermöglichen sollen.
Während einige Branchen also bereits handeln, beobachten viele Unternehmen jedoch noch die weitere Konkretisierung der Anforderungen für den Digital Product Passport. Obwohl für zahlreiche Produktgruppen noch nicht alle Details feststehen, spricht wenig dafür, mit den Vorbereitungen zu warten. Denn auch wenn die Einführung für zahlreiche Produktgruppen noch einige Jahre entfernt scheint, sollten Unternehmen die Vorlaufzeit nicht unterschätzen. Der Aufbau einer belastbaren Datenbasis, die Einbindung von Lieferanten und die Anpassung von Prozessen benötigen Zeit – gleichzeitig profitieren Unternehmen schon lange vor einer gesetzlichen Verpflichtung von einer höheren Datenqualität, mehr Transparenz und einer besseren Produktkommunikation.
Gerade international tätige Unternehmen sollten das Thema nicht auf die lange Bank schieben und untätig auf die finalen Fristen warten. Stattdessen sollten sie bereits jetzt im Blick behalten, welche Märkte, Branchen und Partnernetzwerke sich schneller bewegen. Denn wer in mehreren europäischen Ländern aktiv ist, braucht eine Datenstrategie, die unterschiedliche Geschwindigkeiten und Erfordernisse abfangen kann.
Warum sind gerade die Daten beim Digital Product Passport eine große Herausforderung?
Viele Unternehmen haben beim Thema „Digitaler Produktpass“ hauptsächlich QR-Codes, Etiketten oder digitale Produktseiten vor Augen. Diese Elemente sind durchaus wichtig, stellen sie doch den Zugriff auf die erforderlichen Informationen sicher. Doch dabei gerät häufig ein entscheidender Aspekt aus dem Blick: die Qualität der zugrundeliegenden Daten.
Ohne eine verlässliche und aktuelle Datenbasis wird es schwierig, die erforderlichen Informationen konsistent bereitzustellen. Sind Materialinformationen unvollständig, Zertifikate veraltet oder Produktattribute uneinheitlich gepflegt, entstehen jedoch Risiken für Compliance, Transparenz und Kundenerlebnis.
Allerdings liegt exakt hier der eigentliche Knackpunkt: Relevante Produktinformationen sind häufig über viele Systeme, Lieferanten und Abteilungen verteilt. In der Praxis befinden sie sich beispielsweise in:
- ERP-Systemen
- PIM-Systemen
- PLM-Systemen
- MDM-Plattformen
- Excel-Listen
- Lieferantenportalen
- Dokumentenablagen
- Nachhaltigkeits- und ESG-Systemen
- E-Commerce-Plattformen
- Marktplatz-Feeds
Genau diese Fragmentierung zählt zu den größten Herausforderungen bei der Umsetzung des DPP.

Der Digitale Produktpass macht sichtbar, wie gut Unternehmen ihre Prozesse, Systeme, Produktdaten, und Verantwortlichkeiten organisiert haben.
Warum DPP-Readiness auch die AI-Readiness unterstützt
Unternehmen, die in die Vorbereitung auf den Digitalen Produktpass investieren, verbessern häufig genau die Datengrundlagen, die auch für erfolgreiche KI-Initiativen erforderlich sind.
- KI ist auf genaue, strukturierte und vertrauenswürdige Produktdaten angewiesen.
- DPP-Initiativen helfen dabei, Datenlücken und Schwächen in der Data Governance sichtbar zu machen.
- Konsolidierte Produktinformationen verbessern die Konsistenz über Kanäle und Systeme hinweg.
- Dieselbe Produktdatengrundlage kann sowohl die Einhaltung regulatorischer Anforderungen als auch KI-gestützte Produkterlebnisse unterstützen.
Für viele Unternehmen wird die Vorbereitung auf den Digitalen Produktpass damit zu einer Gelegenheit, die allgemeine Qualität, Zugänglichkeit und Governance von Produktinformationen zu verbessern.
Warum Unternehmen jetzt handeln sollten
Wer den Digital Product Passport erfolgreich umsetzen möchte, sollte frühzeitig mit den Vorbereitungen beginnen. Denn weder eine belastbare Datenbasis noch die dafür notwendigen Prozesse und Strukturen entstehen über Nacht.
Hinzu kommt, dass der Aufwand mit der Größe des Sortiments und der Komplexität der Lieferkette wächst. Je mehr Produkte, Anbieter und Lieferanten beteiligt sind, desto wichtiger werden deshalb strukturierte Datenmodelle, klare Verantwortlichkeiten, Automatisierung und eine gut durchdachte Daten-Governance.
Grund 1: Der Digital Product Passport ist nicht schnell eingeführt
- Ein Digitaler Produktpass – beziehungsweise seine Einführung – erfordert einiges an Vorarbeit.
- Unternehmen müssen klären,
- welche Daten benötigt werden,
- in welchen Systemen diese vorliegen,
- wie sich die verschiedenen Quellen zusammenführen lassen,
- wie die Informationen geprüft werden
- und wer für ihre Pflege verantwortlich ist.
Was bei kleinen Sortimenten noch praktikabel erscheint, wird bei Tausenden oder Millionen von Artikeln schnell zur Herausforderung. Manuelle Prozesse, Einzelabfragen und Ad-hoc-Exporte lassen sich dann kaum noch effizient skalieren.
Grund 2: Datenlücken müssen frühzeitig sichtbar werden
Viele Unternehmen verfügen bereits über einen Großteil der für den DPP benötigten Informationen. Oft ist jedoch unklar, wie vollständig diese Daten sind, wie aktuell sie vorliegen oder ob sie sich den jeweiligen Produkten eindeutig zuordnen lassen. Eine Dateninventur ist deshalb ein entscheidender erster Schritt.
- Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:
- Welche Informationen liegen bereits vor?
- Welche Daten fehlen noch?
- Wie aktuell und belastbar sind die vorhandenen Informationen?
- Welche Nachweise gilt es zu ergänzen oder zu aktualisieren?
- Welche Daten müssen von Lieferanten bereitgestellt werden?
- Welche Informationen müssen öffentlich zugänglich sein?
Je früher Unternehmen Transparenz über ihren Datenbestand schaffen, desto einfacher lassen sich Lücken schließen und spätere Notlösungen vermeiden.
Grund 3: Die Beschaffung von DPP-Daten externer Partner braucht Vorlauf
Gerade bei Produkten, die nicht vollständig im eigenen Unternehmen entwickelt oder gefertigt werden, liegen viele DPP-relevante Informationen bei Lieferanten, Materialpartnern, Produzenten oder Logistikdienstleistern.
- Deshalb gilt es hier frühzeitig zu klären,
- welche Daten die Partner
- liefern können,
- in welchem Format sie diese bereitstellen
- und wie Aktualisierungen erfolgen.
Ohne eine solche strukturierte Zusammenarbeit entstehen schnell manuelle Abstimmungen, doppelte Datenpflege und widersprüchliche Informationen.
Studie zeigt großen Nachholbedarf
Laut einer aktuellen KPMG-Studie1 haben zwar97 Prozent der Unternehmen bereits vom Digital Product Passport gehört, doch nur 33 Prozent geben an, die Anforderungen im Sinne der ESPR und Auswirkungen auf das eigene Unternehmen wirklich gut zu verstehen. Lediglich 19 Prozent bezeichnen sich als gut auf die DPP-Einführung vorbereitet. Das zeigt: Viele Unternehmen befinden sich noch in einer frühen Phase der Umsetzung oder haben noch gar nicht begonnen.
Warum der Digitale Produktpass kein reines IT-Projekt ist
Der Digitale Produktpass ist kein isoliertes IT-Projekt, sondern erfordert die Zusammenarbeit mehrerer Unternehmensbereiche. Natürlich spielen Systeme, Schnittstellen und Datenmodelle eine wichtige Rolle. Doch die Umsetzung des Digital Product Passports reicht weit über technische Fragestellungen hinaus.
- Einzubinden sind unter anderem:
- Product Management
- das Produktmanagement
- Nachhaltigkeit
- Rechtliche Hinweise
- Supply Chain
- Marketing
- E-commerce
- Kundenservice-Mitarbeiter
- und die IT
Der Grund: Produktdaten entstehen, verändern sich und wirken in vielen Unternehmensbereichen. Wenn der DPP zuverlässige Informationen bereitstellen soll, müssen alle Beteiligten verstehen, welche Rolle sie im Datenprozess übernehmen.
Der Digital Product Passport erfordert bereichsübergreifende Daten-Governance
Für den DPP reicht es nicht aus, Daten lediglich zu erfassen. Unternehmen müssen auch festlegen, wer Informationen pflegt, freigibt, aktualisiert und validiert. Daten-Governance schafft dafür die notwendigen Regeln und Verantwortlichkeiten. Fehlen diese Strukturen, steigt das Risiko für widersprüchliche, veraltete oder fehlerhafte Angaben. Beim Digitalen Produktpass können solche Unstimmigkeiten nicht nur interne Prozesse beeinträchtigen, sondern auch gegenüber Kunden, Geschäftspartnern oder Behörden sichtbar werden.
Die Umsetzung des DPP gelingt nur mit unternehmensweitem Change Management
Neue Prozesse und Verantwortlichkeiten lassen sich nicht allein durch Systeme oder Vorgaben etablieren. Die Belegschaft muss verstehen, warum bestimmte Informationen benötigt werden, wie sie genutzt werden und welchen Beitrag sie zum Digitalen Produktpass leisten. Fehlt dieses Verständnis, entstehen schnell Schattenprozesse – etwa in Form von Excel-Listen, manuellen Workarounds, parallelen Dokumentationen oder uneinheitlichen Freigaben. Ein strukturiertes Change Management hilft dabei, neue Arbeitsweisen nachhaltig im Unternehmen zu verankern.
Welche Rolle spielen PIM, MDM und PXM beim Digitalen Produktpass?
PIM, MDM und PXM helfen Unternehmen, DPP-relevante Produktdaten zentral zu strukturieren, zu pflegen, zu validieren und über verschiedene Kanäle hinweg bereitzustellen. Gemeinsam helfen sie Unternehmen dabei, eine hohe Datenqualität aufrechtzuerhalten, Daten-Governance zu unterstützen und die wachsenden ESPR-Anforderungen für den Digitalen Produktpass zu erfüllen.
PIM als Grundlage für strukturierte Produktdaten
Ein Product-Information-Management-System (PIM) unterstützt Unternehmen dabei, Produktattribute, technische Spezifikationen, Beschreibungen, Medien, Zertifikate und weitere produktbezogene Informationen zentral zu verwalten. Viele der für den Digital Product Passport benötigten Angaben stammen direkt aus diesen Produktdaten. Ohne ein strukturiertes PIM wird es schwierig, Daten konsistent zu pflegen und über verschiedene Kanäle hinweg bereitzustellen.
MDM für verlässliche Daten über verschiedene Quellen hinweg
Master Data Management (MDM) geht über Produktdaten hinaus. Es verknüpft die unterschiedlichsten Informationen von Produkten, Lieferanten, Standorten, Kunden, Materialien und Referenzdaten miteinander, was gerade für den DPP wichtig ist.
Denn Informationen zu Herkunft, Fertigung, Lieferkette oder Nachhaltigkeit lassen sich selten allein aus Produktattributen ableiten. Sie entstehen erst durch die Zusammenführung der Daten aus den unterschiedlichen Quellen.
PXM für nutzbare Produkterlebnisse
Product Experience Management (PXM) sorgt dafür, dass Produktinformationen nicht nur korrekt, sondern auch verständlich, relevant und leicht zugänglich sind. So ist es möglich,Kunden, Partnern und Händlern Informationen zu Reparatur, Pflege, Herkunft, Nachhaltigkeit oder Recycling zielgruppengerecht und im passenden Kontext bereitzustellen. Damit wird aus Daten ein Produkterlebnis.
Anforderungen der ESPR für den Digitalen Produktpass und Datenbasis im Überblick
| DPP-Anforderung | Was Unternehmen brauchen | Relevante Systeme |
| Produktidentifikation | eindeutige IDs und einen digitalen Zugang zu den Informationen | PIM, MDM |
| Materialinformationen | strukturierte Material- und Komponentendaten | PIM, PLM, MDM |
| Umwelt- und Nachhaltigkeitsdaten | CO₂-, Recycling- und Reparaturinformationen | ESG-Systeme, PIM, MDM |
| Compliance-Nachweise | Zertifikate, Prüfberichte, regulatorische Dokumente | DAM, PIM, MDM |
| Aktualität | klare Pflege-, Prüf- und Freigabeprozesse | Workflow, Daten-Governance, PXM |
| Veröffentlichung | kanal- und zielgruppengerechte Bereitstellung | PXM, Syndizierung, DPP-Service |
Die Tabelle verdeutlicht, dass unterschiedliche DPP-Anforderungen auf verschiedene Datenquellen und Systeme angewiesen sind. Erst das Zusammenspiel von PIM, MDM, PXM und weiteren Lösungen ermöglicht es, DPP-relevante Informationen konsistent bereitzustellen.
Vom ESPR-Compliance-Projekt zur Marken- und Reputationschance
Viele Unternehmen kommunizieren Nachhaltigkeit bereits heute. Doch Kunden, Geschäftspartner und Behörden erwarten zunehmend nachvollziehbare Belege statt allgemeiner Aussagen. Der Digitale Produktpass kann helfen, Nachhaltigkeitsdaten konkreter, überprüfbarer und konsistenter bereitzustellen.
Darüber hinaus kann der Digital Product Passport auch Service- und Nutzungserlebnisse verbessern. Pflegehinweise, Reparaturanleitungen, Ersatzteilinformationen oder Recyclingoptionen lassen sich digital zugänglich machen und mit bestehenden Produktinformationen verbinden. So wird der DPP zu einem Instrument, das Compliance, Kundennutzen und Markenkommunikation miteinander verknüpft.
Mehr als Compliance: Die Vorteile des DPP im Überblick
- Nachhaltigkeitsinformationen nachvollziehbar belegen
Der Digitale Produktpass kann Greenwashing-Risiken reduzieren, indem er Nachhaltigkeitsaussagen mit belastbaren Daten zu Materialien, Herkunft, Zertifikaten und Lebenszyklus verknüpft. - Vertrauen durch transparente Produktinformationenstärken
Wenn Kunden nachvollziehen können, woraus ein Produkt besteht, woher es stammt und wie es repariert oder recycelt werden kann, macht dies Transparenz greifbar und stärkt das Vertrauen. - Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus zugänglich machen
Informationen zu Reparatur, Pflege, Ersatzteilen oder Recycling lassen sich zentral bereitstellen und langfristig verfügbar halten. - Digitale Service- und Produkterlebnisse erweitern
Der DPP ermöglicht es, relevante Informationen zielgruppengerecht und im passenden Nutzungskontext bereitzustellen. - Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette verbessern
Einheitliche und strukturierte Produktinformationen erleichtern den Austausch von Informationen zwischen Herstellern, Lieferanten, Händlern und weiteren Partnern. - Markenreputation stärken
Wer transparent und nachvollziehbar kommuniziert, kann seine Glaubwürdigkeit erhöhen und sich positiv vom Wettbewerb abheben.
Fünf Schritte zur Vorbereitung auf den Digital Product Passport
Unternehmen können sich strukturiert auf den Digital Product Passport vorbereiten, wenn sie die Datenstrategie, Datenbasis, Technologie, Zusammenarbeit und den Geschäftsnutzen gemeinsam betrachten. Die folgenden fünf Schritte helfen dabei, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche DPP-Umsetzung zu schaffen.
1.Datenstrategie entwickeln
Am Anfang steht die Frage, welches Ziel das Unternehmen mit dem DPP verfolgt. Geht es ausschließlich um Compliance? der gilt es ebenfalls, die Produkttransparenz, die Nachhaltigkeitskommunikation, das Kundenerlebnis und die operative Effizienz zu verbessern?
2.Überblick über die Datenbasis schaffen
Bei der Umsetzung des DPP gilt es, zahlreiche Informationen zusammenzuführen. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig erfassen, welche Produkt-, Material-, Lieferanten-, Nachhaltigkeits- und Compliance-Daten bereits vorhanden sind und wo Lücken bestehen. Dabei geht es nicht nur um die Frage, welche Daten verfügbar sind. Ebenso wichtig ist die Transparenz darüber, wie aktuell die Informationen sind, wie sie gepflegt werden und ob sie sich den jeweiligen Produkten eindeutig zuordnen lassen. Nur wer seine Datenbasis kennt, kann fehlende Informationen gezielt ergänzen und spätere Notlösungen vermeiden.
3.Technologie und Architektur prüfen
Damit sich DPP-relevante Informationen konsistent und skalierbar bereitstellen lassen, brauchen Unternehmen eine geeignete Systemlandschaft. Diese muss es erlauben, Produktdaten strukturiert zu verwalten, zu validieren, anzureichern und über verschiedene Kanäle zur Verfügung zu stellen.
- Wichtige Voraussetzungen sind unter anderem:
- flexible Datenmodelle
- eindeutige Produktidentifikatoren
- Schnittstellen zu internen und externen Systemen
- Validierungsregeln
- Mehrsprachigkeit (bei international agierenden Unternehmen)
- Skalierbarkeit über große Sortimente hinweg
Eine zentrale Rolle spielen dabei PIM-, MDM- und PXM-Systeme, die Produktdaten konsistent verwalten und für unterschiedliche Anwendungsfälle bereitstellen können.
4. Zusammenarbeit innerhalb der Lieferkette organisieren
Der DPP setzt nicht nur eine belastbare Datenbasis voraus, sondern auch abgestimmte Prozesse zwischen den beteiligten Unternehmen. Dabei gilt es, Informationen auszutauschen, zu aktualisieren und nachvollziehbar zu pflegen. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig festlegen, welche Daten von Partnern benötigt werden, welche Qualitätsanforderungen gelten und wie Informationen bereitgestellt werden. Klare Standards, definierte Prozesse und technische Schnittstellen helfen dabei, Medienbrüche, Mehrfachpflege und widersprüchliche Angaben ebenso zu vermeiden wie Datenlücken.
5.Geschäftlichen Nutzen definieren
Der Digitale Produktpass sollte nicht ausschließlich als regulatorische Pflicht verstanden werden.
Richtig eingesetzt, kann er auch dazu beitragen, Transparenz zu schaffen, Nachhaltigkeitsinformationen glaubwürdig zu kommunizieren und digitale Serviceangebote auszubauen. Unternehmen sollten daher frühzeitig definieren, welchen geschäftlichen Nutzen sie mit dem DPP verbinden. Wer Datenqualität, Prozesse und Technologie nicht nur unter Compliance-Gesichtspunkten betrachtet, kann Investitionen gezielter priorisieren und den Digital Product Passport stärker mit den eigenen Unternehmenszielen verknüpfen.
Fazit: Beim Digital Product Passport entscheiden Datenbasis und -governance
Zwar erfolgt die Einführung des Digital Product Passport schrittweise – die Vorbereitung darauf sollte jedoch bereits jetzt beginnen. Denn der DPP macht sichtbar, wie gut Unternehmen hinsichtlich ihrer Produktdaten, Prozesse und Verantwortlichkeiten aufgestellt sind. Wer über eine belastbare Datenbasis verfügt, schafft die Voraussetzungen für Compliance, Transparenz und neue digitale Services. Wer dagegen auf manuelle Prozesse und isolierte Datensilos setzt, wird die Anforderungen nur mit erheblichem Aufwand erfüllen können. Genau deshalb lohnt es sich, frühzeitig in Datenqualität, Daten-Governance und skalierbare Prozesse zu investieren. Der Erfolg des DPP entscheidet sich letztlich dort, wo Produktdaten entstehen, gepflegt und verantwortet werden.
Der Digitale Produktpass stellt neue Anforderungen an Datenstrategie, Datenqualität, Zusammenarbeit und Technologie. In unserem Whitepaper zeigen wir die fünf wichtigsten Schritte, mit denen Unternehmen ihre Produktdaten, Prozesse und Systeme auf den DPP vorbereiten können.
Mehr erfahren: So bereiten Sie Ihre Produktdaten auf den Digitalen Produktpass vor
A Digital Product Passport (DPP)Der Digital Product Passport ist ein digitaler Produktdatensatz, der relevante Informationen zu Herkunft, Materialien, Nachhaltigkeit, Reparatur, Recycling und Compliance eines Produkts bereitstellt. Er soll Produkttransparenz erhöhen und die Kreislaufwirtschaft unterstützen. .
Nein. Ein QR-Code kann den Zugang zum Digitalen Produktpass ermöglichen, stellt aber nicht den Pass selbst dar. Der eigentliche DPP besteht aus strukturierten, verlässlichen und maschinenlesbaren product information Produktdaten.
Die Einführung erfolgt gemäß dem in der ESPR festgelegten Umsetzungszeitplan,
wobei verschiedene Produktkategorien zu unterschiedlichen Zeitpunkten unter die Regulierung fallen. Unternehmen sollten jedoch bereits jetzt mit der Vorbereitung auf den Digital Product Passport beginnen, weil Datenaufbau, Systemintegration und Lieferantenabstimmung Zeit benötigen.
Betroffen sind Unternehmen bestimmter Branchen, die Produkte auf dem EU-Markt bereitstellen. Dazu können auch Hersteller, Markeninhaber, Händler, Importeure, Distributoren, Marktplätze und Unternehmen außerhalb der EU gehören, sofern sie Produkte in der EU verkaufen.
Je nach Produktgruppe DPP können Daten zu Materialien, Herkunft, Fertigung, Nachhaltigkeit, CO₂-Fußabdruck, Reparatur, Wiederverwendung, Recycling, Entsorgung, Zertifikaten und Compliance erforderlich sein. FAQ: Häufige Fragen zum Digital Product Passport
Relevante Produktinformationen bilden die Grundlage des Digitalen Produktpasses. In vielen Unternehmen sind diese Daten jedoch über verschiedene Systeme, Lieferanten und Abteilungen verteilt. Um die Anforderungen des Digital Product Passport zu erfüllen, ist es erforderlich, sie strukturiert zusammenzuführen, zu pflegen und aktuell zu halten.
Excel-Listen eignen sich nicht für skalierbare DPP-Prozesse, weil sie schnell veralten, fehleranfällig sind und sich schwer über große Sortimente, Lieferketten und Kanäle hinweg kontrollieren lassen. Der Digitale Produktpass erfordert allerdings strukturierte Daten, eindeutige Verantwortlichkeiten und automatisierbare Prozesse. Voraussetzung dafür ist wiederum eine zentrale Datenbasis als Single Source of Truth, die konsistente und aktuelle Informationen bereitstellt. Genau hier stoßen dezentrale Excel-Listen schnell an ihre Grenzen.
PIM hilft, Produktinformationen strukturiert zu verwalten.
MDM verknüpft Informationen zu Produkten, Lieferanten, Standorten, Materialien und weiteren Stammdaten miteinander und sorgt für eine konsistente Datenbasis. Referenzdaten wie Klassifikationen, Maßeinheiten oder Länderangaben werden dabei zentral verwaltet. Gemeinsam bilden PIM und MDM eine wichtige Grundlage für skalierbare DPP-Prozesse.
Nein. Der Digitale Produktpass wird zwar durch regulatorische Anforderungen vorangetrieben, kann aber auch Transparenz, Vertrauen, Nachhaltigkeitskommunikation, Markenreputation und Produkterlebnisse stärken. Entscheidend ist, dass die zugrunde liegenden Daten verlässlich sind.
Der Digitale Produktpass kann dazu beitragen, Greenwashing-Risiken zu reduzieren, indem er Nachhaltigkeitsaussagen mit konkreten Produktdaten, Nachweisen und Informationen zum Lebenszyklus verbindet. Dadurch werden Behauptungen überprüfbarer und weniger abhängig von allgemeinen Werbeversprechen.
Autor
Karim Iskandar, CEO International & Managing Director, Syndigo (www.syndigo.com) or someone responsible for digital product communication
Karim Iskandar heads Syndigo’s international business and is responsible for go-to-market strategy, sales, finance, operations, product strategy, and partnerships. Karim thrives in hyper-growth environments. He has held leadership roles across various software, technology, and research companies – helping them launch, scale, and grow rapidly on an international level.



